Feministischer Redebeitrag auf der Vorabenddemo

Im Folgenden dokumentieren wir den Redebeitrag, den wir auf der revolutionären Vorabenddemo in Bochum gehalten haben:

Redebeiträge handeln ja meist davon, was alles in der Gesellschaft so schief läuft, und erzählen uns, warum wir hier auf der Straße sind. Als wir gebeten wurden, einen feministischen Redebeitrag zum 1.Mai zu verfassen, dachten wir uns, wir widmen ihn mal nicht den gesellschaftlichen Missständen sondern einem Teil der eigenen Missstände dieser ominösen linken Szene, die ja nicht weniger Teil des ganzen Elends ist.
Denn seien wir ehrlich, die linksradikale Szene ist was die Überwindung des Patriarchats angeht nicht gerade auf Zack.
Wer backt den Kuchen? Wer macht die erste Reihe? Wer hält die Vorträge? Wer organisiert die Kinderbetreuung?
Feministische Arbeit ist gerne gesehen aber nur so lange sie einem nicht auf die Füße tritt.

Feminist zu sein ist Teil des linken Gesamtpakets.
Dass dieser Feminismus aber Arbeit bedeutet, dass wollen viele Cis-Typen nicht so gerne sehen.
Denn wenn feministische Arbeit geleistet wird, wird sie oft von Frauen, Trans* und Non-Binaries geleistet.

Wehe aber, dieser Feminismus kommt der eigenen, der eigentlichen, und vor allem der WIRKLICH wichtigen politischen Arbeit in die Quere. Dann ist dieser Feminismus nämlich unsolidarisch, wenn er zum Beispiel Antifa-Gruppen für ihre männliche Dominanz und ihr Mackertum kritisiert oder destruktiv, wenn er mal wieder dieses „Gender“ als Kampfbegriff in Konflikte einbringt.
Und vielleicht stimmt das ja sogar. Vielleicht ist es unsolidarisch. Aber unsolidarisch mit wem? Warum solidarisch sein mit Cis-Typen, die unsere Arbeit nicht anerkennen? Die nicht weniger der Grund für unsere politische Arbeit sind als jeder andere Cis-Typ auf der Straße? Und vor allem taucht hier ja auch die Frage auf: Wer ist hier eigentlich mit wem unsolidarisch?
Und warum nicht destruktiv sein, wenn das bedeutet, zu stören? Eine männlich-dominante Selbstverständlichkeit zu stören?

Feministische Arbeit ist anstrengend. Sie ist anstrengend, weil sie Selbstbehauptung bedeutet.
Weil sie Raumerkämpfung bedeutet; weil sie bedeutet, unbequem zu sein, sich keine Freunde zu machen – wie vielleicht jetzt gerade.

Und weil sie sich nicht darauf beschränkt, Veranstaltungen zu organisieren, FLTI*-Räume einzurichten und Demos zu organisieren. Sondern weil sie bedeutet, Kritik zu äußern überall da, wo es einen patriarchalen Konsens gibt.
Weil sie immer stattfindet und nicht nach dem Plenum oder nach der Demo aufhört, sondern weiter geht, wenn zum Beispiel mal wieder klar ist, wer im Privaten die emotionale Care-Arbeit leisten muss, bei der alltäglichen Diskussion, wer eigentlich zu Hause immer das Geschirr abspült, oder wenn auf Polit-Camps mal wieder eine Oben-Ohne-Debatte geführt werden muss.

Und es ist anstrengend, weil es Selbstkritik bedeutet. Auch damit, dass ich hier stehe und diesen Redebeitrag halte, als weiße Cis-Frau. Denn auch das ist ein Teil des Problems. Weil die feministische Bewegung leider viel zu oft genau das ist, weiß und cis.

Und diese Arbeit gilt es anzuerkennen. Und es gilt zu erkennen, dass diese Arbeit von uns allen gemacht werden muss, unabdingbar. Denn ohne diesen Feminismus wird das nichts mit der naicen Revolution.

Damit das ganze hier auch praktisch wird, haben wir ein ausgefuchstes Optimierungsprogramm entwickelt: „in 5 Schritten vom garstigen Macker zum schicken Feminismus Supporter“.
1. Stell die eigene Eitelkeit mal hinten an und erkenne, dass du Teil des Problems bist.
2. Trete einfach mal zurück und überlasse anderen den Raum. Halte die Stille aus, halte aus, dass es länger dauert, anstrengender wird und nicht so verläuft, wie du es dir wünschst oder für effizient hältst.
3. Mach was Originelles und spreche als Typ mal mit Typen über so was wie diese Gefühle. So emotionale Aufarbeitung ist nämlich auch Teil von Care-Work und da dürfen sich auch gerne alle dran beteiligen.
4. Beziehe die Strukturen in deine Analysen mit ein. Nur weil sich zwei, drei Menschen mal eben cool verhalten, sind wir immer noch Teil wirkungsmächtiger Verhältnisse. Auch deshalb gilt: Räum deinen Kram selbst weg, spül auch mit ab und überlass nicht anderen die feministische Recherche, informiere dich halt mal selbst.
5. Liebe Typen: Einfach mal nicht kacke sein, nur so als Vorschlag.

Also ihr Typen da draußen, fangt endlich an den verdammten Kuchen selber zu backen und wir meinen damit keinen staubtrockenen Marmorkuchen, sondern vielmehr eine prachtvolle Sahnetorte mit ganz viel Glitzer.


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