Reclaim the City!

Am 19. Mai findet in Bochum unter dem Motto „Reclaim the City!“ eine Tanzdemo für eine Stadt für alle statt. Hier der Aufruf:

Reclaim the City! Her mit der Stadt! Réclamez la ville!

Steigende Mieten, Wohnungsnot bei gleichzeitigem Leerstand, eine Stadt, die wie ein Unternehmen geführt wird? Das wollen wir nicht! Wir fordern ein Bochum für alle, das heißt eine Stadt, in der alle Menschen unabhängig vom Einkommen gut wohnen und leben können. Wir wollen unser soziales und kulturelles Leben dabei selbstorganisiert in die Hand nehmen. Wir wollen uns tanzend die Stadt zurückerobern!

Guter Wohnraum für alle!

Die Bevölkerung in Bochum wächst wieder, und damit ist die Wohnungsfrage zurückgekehrt. Auch wenn die Situation nicht mit der in Ballungsräumen wie Berlin, Hamburg oder Köln vergleichbar ist, so ist es auch in Bochum für mehr und mehr Leute schwierig, eine gute und bezahlbare Wohnung zu finden. Den Konkurrenzkämpfen, die in so einer Situation entstehen können, wollen wir eine Absage erteilen. Wir fordern guten Wohnraum für alle, unabhängig von der Herkunft, und widersetzen uns rassistischer und sozialer Spaltung.

Refugees welcome to stay!

Deutschland und die EU schotten sich zunehmend gegen flüchtende Menschen ab. Eine Asylrechtsverschärfung nach der anderen wird verabschiedet – dazu braucht es nicht mal die AfD. Auch die Stadt Bochum nutzt ihre Handlungsspielräume, die sie gegen diese von Land und Bund vorgegebene Linie hätte, nicht – trotz massiver Proteste von Geflüchteten. Stattdessen wird die rigide Vertreibungs- und Abschiebepolitik mitgetragen. Zu viele Menschen müssen immer noch in unwürdigen Massenunterkünften leben, obwohl gleichzeitig tausende Wohnungen leer stehen. Für uns heißt „Stadt für Alle“ auch: Bleiberecht und gute Wohnungen für alle! „Refugees welcome“ darf keine hohle Parole bleiben!

Den Leerstand mit Leben füllen!

Es gibt viele Initiativen, die Räumlichkeiten suchen, um dort Orte des unkommerziellen und selbstorganisierten Lebens zu schaffen. Für solche Initiativen gibt es genug Platz, auch in leerstehenden städtischen Gebäuden. Diese müssen endlich geöffnet werden.

Stadt der Solidarität statt Stadt der Konkurrenz!

Unsere Wünsche und Forderungen widersprechen der Idee der unternehmerischen Stadt, für die nur der Wirtschaftsstandort zählt. Wir wollen unser Wohnen und Leben jenseits von ökonomischer Verwertbarkeit organisieren.

Bald steht in NRW eine Landtagswahl an. Die AfD versucht, benachteiligte Gruppen gegeneinander aufzuhetzen, und die Parteien der sogenannten Mitte streiten sich lediglich über die Verwaltung des neoliberalen Status quo. In Frage gestellt wird er von ihnen nicht. Wir wollen deshalb kurz nach der Landtagswahl als „drittes“ Lager, als Lager der Solidarität sichtbar werden und tanzend eine „Stadt für Alle“ einfordern.

Freitag, 19. Mai, 18:30 Uhr
Startpunkt: Musikforum, Viktoriastraße, Bochum
Mehr Infos bei Stadt für Alle Bochum

Feministischer Redebeitrag auf der Vorabenddemo

Im Folgenden dokumentieren wir den Redebeitrag, den wir auf der revolutionären Vorabenddemo in Bochum gehalten haben:

Redebeiträge handeln ja meist davon, was alles in der Gesellschaft so schief läuft, und erzählen uns, warum wir hier auf der Straße sind. Als wir gebeten wurden, einen feministischen Redebeitrag zum 1.Mai zu verfassen, dachten wir uns, wir widmen ihn mal nicht den gesellschaftlichen Missständen sondern einem Teil der eigenen Missstände dieser ominösen linken Szene, die ja nicht weniger Teil des ganzen Elends ist.
Denn seien wir ehrlich, die linksradikale Szene ist was die Überwindung des Patriarchats angeht nicht gerade auf Zack.
Wer backt den Kuchen? Wer macht die erste Reihe? Wer hält die Vorträge? Wer organisiert die Kinderbetreuung?
Feministische Arbeit ist gerne gesehen aber nur so lange sie einem nicht auf die Füße tritt.

Feminist zu sein ist Teil des linken Gesamtpakets.
Dass dieser Feminismus aber Arbeit bedeutet, dass wollen viele Cis-Typen nicht so gerne sehen.
Denn wenn feministische Arbeit geleistet wird, wird sie oft von Frauen, Trans* und Non-Binaries geleistet.

Wehe aber, dieser Feminismus kommt der eigenen, der eigentlichen, und vor allem der WIRKLICH wichtigen politischen Arbeit in die Quere. Dann ist dieser Feminismus nämlich unsolidarisch, wenn er zum Beispiel Antifa-Gruppen für ihre männliche Dominanz und ihr Mackertum kritisiert oder destruktiv, wenn er mal wieder dieses „Gender“ als Kampfbegriff in Konflikte einbringt.
Und vielleicht stimmt das ja sogar. Vielleicht ist es unsolidarisch. Aber unsolidarisch mit wem? Warum solidarisch sein mit Cis-Typen, die unsere Arbeit nicht anerkennen? Die nicht weniger der Grund für unsere politische Arbeit sind als jeder andere Cis-Typ auf der Straße? Und vor allem taucht hier ja auch die Frage auf: Wer ist hier eigentlich mit wem unsolidarisch?
Und warum nicht destruktiv sein, wenn das bedeutet, zu stören? Eine männlich-dominante Selbstverständlichkeit zu stören?

Feministische Arbeit ist anstrengend. Sie ist anstrengend, weil sie Selbstbehauptung bedeutet.
Weil sie Raumerkämpfung bedeutet; weil sie bedeutet, unbequem zu sein, sich keine Freunde zu machen – wie vielleicht jetzt gerade.

Und weil sie sich nicht darauf beschränkt, Veranstaltungen zu organisieren, FLTI*-Räume einzurichten und Demos zu organisieren. Sondern weil sie bedeutet, Kritik zu äußern überall da, wo es einen patriarchalen Konsens gibt.
Weil sie immer stattfindet und nicht nach dem Plenum oder nach der Demo aufhört, sondern weiter geht, wenn zum Beispiel mal wieder klar ist, wer im Privaten die emotionale Care-Arbeit leisten muss, bei der alltäglichen Diskussion, wer eigentlich zu Hause immer das Geschirr abspült, oder wenn auf Polit-Camps mal wieder eine Oben-Ohne-Debatte geführt werden muss.

Und es ist anstrengend, weil es Selbstkritik bedeutet. Auch damit, dass ich hier stehe und diesen Redebeitrag halte, als weiße Cis-Frau. Denn auch das ist ein Teil des Problems. Weil die feministische Bewegung leider viel zu oft genau das ist, weiß und cis.

Und diese Arbeit gilt es anzuerkennen. Und es gilt zu erkennen, dass diese Arbeit von uns allen gemacht werden muss, unabdingbar. Denn ohne diesen Feminismus wird das nichts mit der naicen Revolution.

Damit das ganze hier auch praktisch wird, haben wir ein ausgefuchstes Optimierungsprogramm entwickelt: „in 5 Schritten vom garstigen Macker zum schicken Feminismus Supporter“.
1. Stell die eigene Eitelkeit mal hinten an und erkenne, dass du Teil des Problems bist.
2. Trete einfach mal zurück und überlasse anderen den Raum. Halte die Stille aus, halte aus, dass es länger dauert, anstrengender wird und nicht so verläuft, wie du es dir wünschst oder für effizient hältst.
3. Mach was Originelles und spreche als Typ mal mit Typen über so was wie diese Gefühle. So emotionale Aufarbeitung ist nämlich auch Teil von Care-Work und da dürfen sich auch gerne alle dran beteiligen.
4. Beziehe die Strukturen in deine Analysen mit ein. Nur weil sich zwei, drei Menschen mal eben cool verhalten, sind wir immer noch Teil wirkungsmächtiger Verhältnisse. Auch deshalb gilt: Räum deinen Kram selbst weg, spül auch mit ab und überlass nicht anderen die feministische Recherche, informiere dich halt mal selbst.
5. Liebe Typen: Einfach mal nicht kacke sein, nur so als Vorschlag.

Also ihr Typen da draußen, fangt endlich an den verdammten Kuchen selber zu backen und wir meinen damit keinen staubtrockenen Marmorkuchen, sondern vielmehr eine prachtvolle Sahnetorte mit ganz viel Glitzer.

Morgen: Linksradikale Vorabenddemo

Etwas kurzfristig erlauben wir uns trotzdem jetzt noch auf die linksradikale Vorabenddemo am 30.4. in Bochum hinzuweisen. Los geht’s um 19 Uhr am Bochumer Hbf. Den Aufruf dazu findet ihr hier. Wir werden auch am Start sein und einen eigenen Redebeitrag halten.

Montag (1. Mai) heißt es dann Nazis ärgern in Essen und/oder Dortmund. Alle wichtigen Infos dazu findet ihr hier.

Den AfD-Bundesparteitag in Köln verhindern!

Am 22. und 23.4.2017 steht Köln ein Ereignis bevor, auf das die Stadt gut verzichten könnte: Der Bundesparteitag der AfD.

Die Kampagne Nationalismus ist keine Alternative (NIKA) sowie das breite Bündnis Solidarität statt Hetze rufen zu Blockaden und einer anschließenden Großdemo auf.
Der Antifa AK Köln hat hier freundlicherweise eine Übersicht darüber erstellt, was so alles am 22.4. passieren wird.
Den Aufruf der NIKA-Kampagne könnt ihr hier lesen.

Für eine gemeinsame Anreise aus dem Ruhrgebiet wird es Zugtreffpunkte geben:

Dortmund Hbf – 5:30 Uhr – Infos bei Facebook

Bochum Hbf – 5:40 Uhr

Duisburg Hbf Vorhalle
– 6:00 Uhr – Infos bei Facebook

Geht nicht gibt’s nicht – Alternativen kommunaler Wohn-/Raumpolitik

Das Bochumer Netzwerk „Stadt für alle“, an dem auch wir uns beteiligen, organisiert am 4.4. eine Podiumsdiskussion bei der es im weitesten Sinne um die Frage geht, welche Möglichkeiten es gibt, Wohnraum dem Markt zu entziehen:



Eine Podiumsdiskussion mit dem Projekt »Our House OM10« aus Göttingen und der kommunalen Wohnungsbaugesellschaft Wohnbau Gießen GmbH.

04. April 2017, 19:00 Uhr, Foyer der VHS Bochum
(Gustav-Heinemann-Platz 2-6)

Die Stadt Bochum wächst wieder! Und mit ihr die Herausforderung für die Stadtgesellschaft, den Zugang zu städtischem Raum für Alle zu gewährleisten. Besonders die Nachfrage nach Wohnraum stellt die Qualität des Lebens in der Stadt auf den Prüfstand – und das nicht erst, seit die aktuellen Fluchtbewegungen den Mangel an bezahlbarem Wohnraum ins Licht gerückt haben. Die Versorgung mit Wohnraum für Alle ist zu einer zentralen Frage der Stadtentwicklung geworden.

Das Bochumer Netzwerk »Stadt für Alle« sieht die Aktivitäten der Wohnungspolitik der Stadt Bochum kritisch. Dass eine Strategie, die in erster Linie auf den Markt setzt, nicht alternativlos ist, zeigen Beispiele aus anderen Städten. Über spannende und interessante Alternativen berichten eine Aktivistin vom Projekt »Our House OM10« in Göttingen und Reinhard Thies, Geschäftsführer der städtischen Wohnungsbaugesellschaft Wohnbau Gießen GmbH.

Das Projekt »Our House OM10« in Göttingen

Im November 2015 wurde das sechs Jahre leerstehende DGB-Haus in der Oberen-Masch-Straße 10 (OM10) in Göttingen besetzt. Die Besetzung skandalisierte den Widerspruch zwischen der unwürdigen Unterbringungssituation von Geflüchteten in Massenunterkünften auf der einen und zahlreichen Leerständen auf der anderen Seite. Die Besetzer*innen öffneten das Haus für Geflüchtete und organisierten gemeinsame Angebote wie z.B. Deutschkurse oder Beratungen in Asylverfahren. Nach langen Verhandlungen mit dem DGB wurde das Haus im März 2017 von den Besetzer*innen zu einem politischen Preis gekauft. Es soll als politisches Zentrum und Raum für selbstverwaltetes Wohnen weiterentwickelt werden. (https://omzehn.noblogs.org)

Die Wohnbau Gießen GmbH

Die Wohnbau Gießen ist mit rund 7.000 Wohneinheiten der größte Anbieter von Mietwohnungen in der Universitätsstadt Gießen. Die Stadt Gießen ist alleinige Gesellschafterin der GmbH. Die Geschäfte werden nach den Grundsätzen der Wohnungsgemeinnützigkeit geführt. Als öffentliches Unternehmen hat die Wohnbau Gießen dabei »…insbesondere den Teil der Bürgerschaft im Blick, auf den das Marktgeschehen nicht ausreichend reagiert«. Eine weitere Besonderheit: Ein Unternehmensmieterrat hat ein Mitbestimmungsrecht bei Entscheidungen der Geschäftsführung. (www.wohnbau-giessen.de)

Einleitung ins Thema:
Rainer Midlaszewski (Stadt für Alle, Bochum)
Our House OM10: G. K.
Wohnbau Gießen GmbH: Reinhard Thies, Geschäftsführer der städt. Wohnungsbaugesellschaft Wohnbau Gießen GmbH
Moderation: Kirsten Heining (Stadt für Alle, Bochum)

Die Veranstaltung wird von der VHS Bochum in Kooperation mit dem Netzwerk »Stadt für Alle« und dem Mieterverein Bochum, Hattingen und Umgegend e. V. organisiert.